Chinesische Übersetzung beauftragen: Traditionell oder vereinfacht?

In welches Chinesisch soll übersetzt werden? Gibt es da Unterschiede, die für eine chinesische Übersetzung beachtet werden müssen, und wie soll man sich allgemein auf diesen Markt einstellen? Mit diesem Beitrag wollen wir versuchen, ein bisschen Licht in das „fernöstliche“ Dunkel zu bringen. Unzählige deutsche Unternehmen unterhalten Geschäftsbeziehungen mit China, und es werden fast täglich mehr. Die Volksrepublik China hat sich zu einer der weltweit am stärksten wachsenden Volkswirtschaften entwickelt. Verbunden mit dieser Entwicklung steigt auch die Nachfrage nach Übersetzungen in und aus dem Chinesischen.

 

Chinesische Übersetzung - Schriftzeichen traditionell oder vereinfacht

Bild: CHEN WS / Shutterstock.com

Die chinesische Schrift

Das chinesische Schriftsystem ist überall dasselbe, die gesprochenen Varianten unterscheiden sich jedoch sehr stark zwischen Nord und Süd. Vergleichbar wäre das mit Hochdeutsch, das überall in Deutschland verstanden wird, und den Dialekten Bayrisch und Plattdeutsch, deren Sprecher sich untereinander nicht verstehen werden.

In der chinesischen Schrift gibt es insgesamt ca. 100.000 Zeichen. Im Alltag kommt man mit rund 3000 bis 5000 Zeichen aus, zum Zeitunglesen benötigt man rund 7000 chinesische Zeichen. Dabei werden zwei Standardschriftsätze unterschieden, das traditionelle und das vereinfachte Schriftsystem. Die Wahl der richtigen Variante hängt vom Markt bzw. Land Ihrer Zielgruppe ab, den Sie erreichen möchten.

Übersetzung in vereinfachtes Chinesisch:

Dieses vereinfachte Chinesisch („Simplified Chinese“) wird heute in der Volksrepublik China (Festland) und von Menschen chinesischer Herkunft in Singapur verwendet.

Übersetzung in traditionelles Chinesisch:

Der traditionelle Zeichensatz („Traditional Chinese“) wird weiterhin außerhalb des chinesischen Hauptlandes verwendet, d. h. in Hongkong, Taiwan und Macau.

 

Gibt es große Unterschiede zwischen dem traditionellen und vereinfachten Schriftsystem?

Mitte der 1950 Jahre wollte man in der Volksrepublik China die Alphabetisierung erleichtern und vereinfachte die Schriftzeichen des traditionellen Chinesisch, die aus bis zu 33 Einzelstrichen bestehen können. Man wollte damit erreichen, dass sowohl Ausländer als auch weniger gebildete Menschen der eigenen Bevölkerung sich die chinesischen Zeichen einfacher merken und damit Schreiben und Lesen lernen können.

Es wurde für über 2000 Schriftzeichen eine vereinfachte Version mit weniger Einzelstrichen pro Zeichen entwickelt. Die Anzahl der Striche pro Zeichen wurde um ca. die Hälfte reduziert.

 

Welches Chinesisch soll ich bei der Beauftragung einer Deutsch Chinesisch Übersetzung angeben?

Da es erhebliche Unterschiede zwischen beiden Schriften gibt, sollten Sie am besten bei der Bestellung einer chinesischen Übersetzung angeben, für welches Zielland diese gedacht ist. Es ist wichtig, dass der Kunde seine Zielgruppe für die Übersetzung kennt, um die richtigen chinesischen Schriftzeichen entsprechend anzuwenden. Hier eine Kurzübersicht:

  • Festland China (VR China) und Singapur –> Vereinfachtes Chinesisch
  • Hongkong, Taiwan, Macau –> Traditionelles Chinesisch

 

Kann man auch in Mandarin übersetzen oder ist es ein Dialekt?

Das „gesprochene“ Chinesisch beinhaltet 7 Hauptsprachen sowie zahlreiche Dialekte. Diese Sprachen unterscheiden sich stark voneinander und werden oft auch als Dialekte der chinesischen Sprache benannt, weil sie (außer dem Kantonesischen) keine allgemein akzeptierte Schriftsprache haben.

Mandarin nimmt mit über 70% Verbreitung unter allen chinesischen Sprachen den größten Anteil ein. Auf dem Peking-Dialekt des Mandarin (Nordchinesisch) basiert das Hochchinesische oder (modernes) Standardchinesische, welches einfach als „das Chinesische“ bzw. „Chinesisch“ bekannt ist.

Ähnlich wie die deutsche Schriftsprache: Das gesprochene Deutsch und die deutsche Schriftsprache unterscheiden sich auch deutlich. In Deutschland gibt es verschiedene lokale Dialekte, dazu gehören zum Beispiel Bayrisch, Alemannisch, Fränkisch oder Hessisch u.a. Dialekte sind viel älter als das Hochdeutsche, welches zunehmend als Einheitssprache zur Kommunikation im Alltag verwendet wurde. Das Deutsche ist also ein Überbegriff diverser Dialekte, welche nicht schriftlich verwendet bzw. vornehmlich gesprochen werden.

 

Ist Kantonesisch auch eine chinesische Sprache?

Die Sonderverwaltungszone Hongkong der Volksrepublik China hat offiziell als Amtssprachen Chinesisch (Kantonesisch und Hochchinesisch) und Englisch.

Die kantonesische Sprache ist eine chinesische Sprache, und wird hauptsächlich in Südchina gesprochen. Kantonesisch ist deutlich bekannter als andere chinesischen Sprachen bzw. Dialektgruppen, da Hongkong in der Welt wirtschaftlich eine bedeutende Rolle spielt. Außerdem hat Kantonesisch eine eigene geschriebene Form, welche sich heute vor allem auf Hong Kong und Macau konzentriert.

Als britische Kolonie war Hong Kong weniger von der Standardisierung der auf Mandarin beruhenden Schriftsprache betroffen, also das heutige Standard- bzw. Hochchinesisch. Die britische Kolonialisierung isolierte also die kantonesischen Sprecher Hongkongs vom Festland Mandarin-Chinesisch. So entwickelte sich das geschriebene Kantonesisch mit vielen Schriftzeichen, die nicht im Standardchinesisch zu finden sind. Hochchinesisch und Kantonesisch unterscheiden sich wesentlich in der Aussprache, Grammatik und Wortschatz.

Die Mehrheit der Bevölkerung in Hongkong spricht Kantonesisch. Allerdings werden immer noch in Hongkong, Macao und Taiwan weiterhin traditionelle Schriftzeichen verwendet.

Seit 1997 ist Hongkong keine britische Kolonie mehr, seitdem wird Hochchinesisch auch dort mehr und mehr gesprochen. Hochchinesisch hat sich in den letzten Jahrzehnten durch die verstärkte Integration mit dem Festland stark etabliert.

 

Kleiner Ausflug in die Geschichte der Sprache Chinesisch

Die chinesische Sprache ist mit rund 1,2 Milliarden Sprechern die meistgesprochene Sprache der Welt und rangiert damit vor dem Englischen und Spanischen. Die chinesische Schrift ist schon rund 3500 Jahre alt, die ältesten gefunden Schriftzeichen stammen aus der Zeit um 1400 v. Chr. Damals gab es bereits rund 1500 unterschiedliche Schriftzeichen. Diese ähnelten Piktogrammen oder Bildsymbolen, die Gegenstände darstellten.

Noch heute sind viele Schriftzeichen des modernen Chinesisch von diesen Bildsymbolen abgeleitet bzw. erweitert und mit anderen Symbolen verbunden. So verband man z. B. das Schriftzeichen für „Baum“ mit einer dahinter aufgehenden „Sonne“, um das Schriftzeichen für „Osten“ entstehen zu lassen.

Man geht davon aus, dass es ursprünglich eine einheitliche Sprache gab, die Sprache der Han-Chinesen aus der vorgeschichtlichen Zeit, aus der sich aufgrund regionaler Isolierungen und geografischer Besonderheiten eigene Sprachzweige entwickelten. Die großen Ebenen im Norden des Landes begünstigten die Ausbreitung der nordchinesischen Sprachvarianten, wohingegen das von Flüssen durchzogene Bergland im Süden die Diversifizierung der Sprache förderte. Außerdem lässt sich in jeder chinesischen Dynastie eine überregionale Sprache erkennen, d. h. die Sprache der jeweiligen Hauptstadt wurde im Rest des Landes durch die Beamten, Händler und Gelehrten verbreitet, allerdings nicht flächendeckend und einheitlich.

Erst in der Ming-Dynastie und in der Qing-Dynastie wurde das Mandarin bzw. heutige Alt-Mandarin, die Sprache der Beamten, als allgemeine Standardsprache verbreitet. Diese basiert auf den nördlichen Sprachvarianten, da zu diesem Zeitpunkt Peking Hauptstadt wurde. So wurde im Zuge der Stärkung des Nationalbewusstseins die Forderung nach einer gemeinsamen Sprache dringlicher, die im ganzen Land einheitlich verbreitet sein sollte.

1913 fand eine „Nationale Konferenz zur Vereinheitlichung der Aussprache“ statt, auf der einheitliche Aussprachestandards festgelegt wurden, wobei man noch die Pekinger Aussprache mit südlicher phonetischer Eigenart beschloss, um den Streit zwischen nördlichen und südlichen Sprachvarianten demokratisch beizulegen. 1924 wurde dann die Pekinger Aussprache als Standard festgelegt.

Schriftreform in der Volksrepublik China

1955, nach der Gründung der Volksrepublik China, fand die „Nationale Konferenz über Schriftreform“ statt. Es wurde über die Verbreitung der chinesischen Allgemeinsprache und die Förderung der Sprachenvielfalt, d. h. die Beibehaltung von Dialekten, diskutiert. Die sogenannte Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 wirkte sich nicht gerade förderlich auf die Entwicklung der Sprache aus. Die chinesische Verfassung legte dann 1982 die „national gebräuchliche Allgemeinsprache“, das Hochchinesisch, das auf dem Mandarin bzw. dem Mandarin-Dialekt Pekings basiert, als Standardsprache für alle Landesteile fest.

Neben dem Hochchinesisch bestehen neun weitere chinesische Sprachen, z. B. Kantonesisch oder Wu mit jeweils vielen Millionen Sprechern.

 

Fazit:

Chinesisch ist nicht gleich Chinesisch. Es muss für die jeweilige Zielgruppe bzw. das Zielland überlegt werden, welche Sprach- oder Schriftvariante zu verwenden ist.

Das Übersetzungsbüro Techni-Translate ist auf chinesische Übersetzungen spezialisiert. Unsere chinesischen Übersetzer kennen die Kultur und Besonderheiten der chinesischen Sprache in ihrem Heimatland. Wir beraten Sie gerne, unsere sprachliche und fachliche Kompetenz mit der Sprache Chinesisch macht uns zu dem perfekten Partner für Deutsch Chinesisch Übersetzungen.

 

Ihr Techni-Translate-Team

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die hier eingegebenen personenbezogenen Daten werden entsprechend der geltenden Datenschutzrichtlinien gespeichert und verarbeitet. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unsere Datenschutzerklärung.